Medizin

Die Entwicklung der Universitätsmedizin in den Bundesländern genau zu verfolgen, gehört zu den traditionellen Aufgaben des Wissenschaftsrats. Mit seiner Bestandsaufnahme und Analyse der Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika in Deutschland bietet er den Bundesländern, aber auch den jeweils untersuchten Einrichtungen selbst wichtige Orientierungspunkte dafür, wie sie sich im Spannungsfeld von Forschung, Lehre und Krankenversorgung effizienter ausrichten können. Wissenschaftliche Ausrichtung, Struktur, bauliche Voraussetzungen, Aufbau und Struktur der Lehre sowie Ressourcen der Universitätsmedizin sind konkreter Gegenstand der Beratung.

Zum Leitfaden der Evaluation universitätsmedizinischer Einrichtungen

Ende der 1990er Jahre wurde damit begonnen, die Universitätsklinika rechtlich zu verselbstständigen und ihre Betriebsführung an privatwirtschaftlichen Unternehmen zu orientieren. Der Wissenschaftsrat beobachtet seitdem, wie sich die neuen Organisationsstrukturen und Regelungen auf die Entwicklung der universitären Angelegenheiten, insbesondere auf Forschung und Lehre, auswirken. So hat er beispielsweise wiederholt zu den Kooperationsmodellen zwischen Universitäten, ihren Medizinischen Fakultäten und den mit ihnen verbundenen Universitätsklinika Stellung genommen, aber auch die bestehenden Kooperationen der Universitätsmedizin mit Unternehmen der Privatwirtschaft untersucht und entsprechende Grundsätze für solche Partnerschaften festgelegt. Die Freiräume für Forschung und Lehre gegenüber den Ansprüchen der Krankenversorgung zu sichern, steht auch hierbei im Mittelpunkt. 

Das vorliegende Arbeitsprogramm des Wissenschaftsrates gilt für die erste Hälfte des Jahres 2013. Der Wissenschaftsrat hat es am 25. Januar 2013 verabschiedet.

Ansprechpartnerin:
Frau Dr. Beatrix Schwörer
schwoerer(at)wissenschaftsrat.de
Telefon +49 (0)221 3776-266

Ausschuss Medizin  
Vorsitz: Herr Professor Dr. Hans-Jochen Heinze
Betreuung in der Geschäftsstelle: Frau Dr. Beatrix Schwörer

Die Universitätsmedizin hat als Teil des Wissenschafts- und des Gesundheitssystems eine herausragende Bedeutung. Sie muss auf allen medizinischen Fachgebieten in enger Verflechtung von Forschung und Entwicklung, ärztlicher Aus- und Weiterbildung, maximaler Krankenversorgung und diagnostischem und therapeutischem Wissenstransfer höchste, auch international wettbewerbsfähige Leistungen erbringen. Mit ihren von hoher Eigendynamik geprägten komplexen Strukturen steht sie dabei vor der beständigen Herausforderung, wissenschaftliche Leistungen mit den ökonomischen Bedingungen eines wettbewerblich agierenden Krankenhausmarktes zu vereinbaren. Die Sicherung und Fortentwicklung der Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Universitätsmedizin ist auch vor dem Hintergrund der bundesweit geltenden Approbationsordnung für Ärzte von gesamtstaatlichem Interesse. Um die notwendigen Reformen den Herausforderungen anzupassen, berät der Medizinausschuss als einziger querschnittsbezogener Ausschuss des Wissenschaftsrates Bund und Länder in allen Fragen des Ausbaus, der Forschung und Lehre, der Krankenversorgung sowie bei juristischen und strukturellen Problemen der Universitätsmedizin.

Stellungnahme zur weiteren Entwicklung der Universitätsmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg | Arbeitsgruppe
Vorsitz: Herr Professor Dr. Stefan Zeuzem
Betreuung in der Geschäftsstelle: Isabel Strauß

Das Land Sachsen-Anhalt hat den Wissenschaftsrat gebeten, die Situation der Universitätsmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Jahr 2013 erneut zu untersuchen. Dieser Wunsch geht zurück auf die Stellungnahme des Wissenschaftsrates zur weiteren Entwicklung der Universitätsmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aus dem jahr 2009. Damals hatte der Wissenschaftsrat empfohlen, die dringend notwendigen Veränderungsprozesse am Standort durch eine externe Kommission begleiten und den Standort rechtzeitig reevaluieren zu lassen.

Der Wissenschaftsrat bittet den Ausschuss Medizin, eine Bewertungsgruppe einzusetzen, die im Frühjahr 2013 Vor-Ort-Besuche durchführen und einen Bewertungsbericht erarbeiten wird. Die Stellungnahme soll im Herbst 2013 (ggf. bereits im Sommer 2013) dem Wissenschaftsrat vorgelegt werden.

Stellungnahme zur weiteren Entwicklung der medizinischen Einrichtungen der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Mannheim | Arbeitsgruppe
Vorsitz: Herr Professor Dr. Hans-Jochen Heinze
Betreuung in der Geschäftsstelle: Frau Klaudia Haase

Das Land Baden-Württemberg hat den Wissenschaftsrat gebeten, die Situation der Universitätsmedizin der Medizinischen Einrichtungen der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Mannheim im Jahr 2013 erneut zu untersuchen. Zuletzt wurden die Medizinischen Einrichtungen der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Mannheim im Jahr 2003 vom Wissenschaftsrat begutachtet, im Jahr 2004 hat er sich im Rahmen der standortübergreifenden Stellungnahme zur Weiterentwicklung der Universitätsmedizin in Baden-Württemberg ebenfalls mit dem Standort Mannheim befasst.

Der Wissenschaftsrat bittet den Ausschuss Medizin, eine Bewertungsgruppe einzusetzen, die im Sommer 2013 Vor-Ort-Besuche durchführen und einen Bewertungsbericht erarbeiten wird. Die Stellungnahme soll im April 2014 (ggf. bereits im Januar) dem Wissenschaftsrat vorgelegt werden. 

Stand und Perspektiven der humanmedizinischen Modellstudiengänge | Arbeitsgruppe
Vorsitz: Herr Professor Dr. Hans-Jochen Heinze
Betreuung in der Geschäftsstelle: Herr Dr. Stefan Rathjen

Seit der Novellierung der Approbationsordnung für Ärzte im Jahr 1999 kann das Studium der Humanmedizin in Modellstudiengängen erfolgen, die im Vergleich zum Regelstudiengang insbesondere auf den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Physikum) verzichten. Zeitlich befristete Modellstudiengänge sind bisher an sieben Standorten (Aachen, Berlin, Bochum, Hannover, Köln, Mannheim, Witten-Herdecke) eingerichtet. An weiteren Standorten werden Modellstudiengänge vorbereitet (Hamburg und Oldenburg).

In der zu erarbeitenden Stellungnahme sollen die sieben bestehenden Modellstudiengänge systematisch evaluiert werden. Es ist zu klären, welche Reformelemente erfolgreich erprobt werden konnten und welche Schlussfolgerungen hieraus für die Weiterentwicklung der humanmedizinischen Regelausbildung zu ziehen sind. Dabei gilt es auch zu erörtern, ob eine veränderte Studienstruktur zu Verbesserungen führen kann. In diesem Zusammenhang wird auch die politische Kompetenzaufteilung bei der staatlichen Reglementierung von Ausbildung, Weiterbildung und Ausübung von Gesundheitsberufen reflektiert. Außerdem ist im Anschluss an die Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen zu klären, welchen Beitrag die Modellstudiengänge bei der Umsetzung eines allgemeinen Reformbedarfs in Hinsicht auf die Qualifizierung von Gesundheitsberufen leisten können.

Die Beratung der Stellungnahme im Wissenschaftsrat ist für Herbst 2013 vorgesehen.

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