Tertiäre Bildung

Der Wissenschaftsrat befasst sich mit der Organisation des Hochschulwesens in Deutschland und erarbeitet regelmäßig Empfehlungen zu dessen systematischer Weiterentwicklung. Dabei werden vor allem Universitäten und Fachhochschulen in den Blick genommen, aber auch neue Hochschulformen und die an das Hochschulsystem angrenzenden Bereiche der tertiären Bildung wie Berufsakademien berücksichtigt. Die wissenschaftspolitischen Empfehlungen des Wissenschaftsrates basieren auf einer umfassenden Analyse und Bewertung gesamtgesellschaftlicher Rahmenbedingungen, der Differenzierung des Hochschulsystems sowie sozioökonomischer und demographischer Entwicklungen. Sie beziehen eine international vergleichende Perspektive systematisch mit ein.

In den vergangenen Jahren hat sich der Wissenschaftsrat aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit Fragen der Personalstruktur an Hochschulen befasst. Im Zentrum standen dabei mit der Ausgestaltung von Berufungsverfahren, der Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Einführung der Juniorprofessur vor allem die Qualifizierungswege und Beschäftigungsperspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mit der Empfehlung, Professuren mit einem Tätigkeitsschwerpunkt in der Lehre zu etablieren, hat sich der Wissenschaftsrat für eine weitere Differenzierung der Personalstruktur ausgesprochen, die im Zeichen einer grundsätzlichen Aufwertung und Qualitätsverbesserung der akademischen Lehre und der Schaffung einer neuen Lehrkultur stehen soll.

Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses steht im Zentrum des Positionspapiers Anforderungen an die Qualitätssicherung der Promotion. Angesichts der Qualitätsdebatten des Jahres 2011 erinnert der Wissenschaftsrat darin an die institutionelle Verantwortung der Universität für die Promotion und unterbreitet Vorschläge, wie diese künfig besser wahrgenommen werden soll. Fachspezifische Besonderheiten sind dabei zu berücksichtigen, die Verantwortung der einzelnen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer sowie der Doktorandinnen und Doktoranden selbst bleibt zentral. Für Doktorandinnen und Doktoranden soll es einen einheitlichen Status geben. Sie sollen zusätzlich zu den Betreuerinnen und Betreuern durch ein fachnahes Promotionskomitee begleitet werden. Zudem regt der Wissenschaftsrat an,  Betreuungsaufwand und Betreuungskapazitäten in ein angemessenes Verhältnis zu bringen, flächendeckend Betreuungsvereinbarungen einzuführen und externe Doktorandinnen und Doktoranden besser in Arbeitsgruppen und Forschungskontexte zu integrieren.

In seinen Empfehlungen zur Rolle der Fachhochschulen im Hochschulsystem plädiert der Wissenschaftsrat dafür, verstärkt auf die Potenziale dieses Hochschultyps zu setzen und ihn zeitgemäß weiterzuentwickeln. Zum Ausbau der Beziehungen zu den Universitäten wird die Einrichtung von Kooperationsplattformen vorgeschlagen als eine institutionelle Basis für die Zusammenarbeit in Lehre, Forschung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Mit seinen Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen regt der Wissenschaftsrat an, weitere Alternativen zu den vorhandenen Hochschultypen Universität und Fachhochschule zu schaffen und die Ausrichtungen der vorhandenen Hochschulen hinsichtlich ihrer Schwerpunkte zu diversifizieren. Da sich mit den gewachsenen Studierendenzahlen zugleich das Aufgabenspektrum der Hochschulen verbreitert hat, plädiert der Wissenschaftsrat dafür, nicht unterschiedslos alle Universitäten und Fachhochschulen mit allen gesellschaftlichen Erwartungen zu befassen, sondern auf dem Weg einer funktionalen Differenzierung die Leistungsfähigkeit des Hochschulsystems insgesamt zu steigern. Entsprechende Schwerpunktsetzungen sind im Bereich der weiterbildenden Studiengänge und der dualen Studienangebote denkbar, als neue Organisationsformen – gegebenenfalls auch innerhalb bestehender Hochschulen – schlägt der Wissenschaftsrat die Einrichtung einiger Colleges und  Professional Schools vor.

Das vorliegende Arbeitsprogramm des Wissenschaftsrates gilt für die erste
Hälfte des Jahres 2013. Der Wissenschaftsrat hat es am 25. Januar 2013 verabschiedet.

Ansprechpartnerin:
Dr. Sabine Behrenbeck
behrenbeck(at)wissenschaftsrat.de
Telefon +49 (0)221 3776-234

Ausschuss Tertiäre Bildung | Ausschuss
Vorsitz: Herr Professor Dr. Wolfgang Marquardt
Betreuung in der Geschäftsstelle: Frau Laura Gersch

Der Ausschuss Tertiäre Bildung (vormals Ausschuss Lehre) hat folgende Aufgaben: Er ist zuständig für die Erarbeitung kurzfristiger Positionspapiere zu aktuellen Situationen im Bereich Hochschulbildung und -entwicklung, die dem Wissenschaftsrat zur Verabschiedung vorgelegt werden; er erarbeitet wissenschaftspolitische Stellungnahmen zu den Bewertungsberichten von Arbeitsgruppen, welche Förderprogramme für den wissenschaftlichen Nachwuchs evaluieren
(z.B. Graduiertenkollegs der DFG); er widmet sich bestimmten dauerhaft relevanten Themen, zu denen sich der Wissenschaftsrat regelmäßig äußert, und greift sie entweder selbst auf oder empfiehlt dem Wissenschaftsrat, sie in sein Arbeitsprogramm aufzunehmen (z.B. Karrierewege, Nachwuchsförderung, Personalstruktur an Hochschulen, Studienstruktur, Qualitätsentwicklung);
er schlägt dem Wissenschaftsrat nach Sondierung des Empfehlungspotentials neue Themen für das Arbeitsprogramm vor. Sein Pendant ist der Ausschuss Forschung, mit dem er ggf. eng kooperiert. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats hat qua Amt den Vorsitz inne.

Evaluation der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und Strukturuntersuchung der Förderung des internationalen wissenschaftlichen Personentransfers | Arbeitsgruppe
Vorsitz: Frau Professorin Regina Riphahn, PhD
Betreuung in der Geschäftsstelle: Frau Dr. Silviana Galassi

Die Arbeitsgruppe wird gemeinsam durch die Referate Evaluation und Tertiare Bildung betreut. Mit einer Vorlage der Stellungnahme ist im zweiten Halbjahr 2013 zu rechnen.

Karrierewege im Wissenschaftssystem | Arbeitsgruppe
Vorsitz: Herr Professor Dr. Manfred Prenzel
Betreuung in der Geschäftsstelle: Dr. Katja Malsch

Eine Neuordnung der Personalstrukturen an Hochschulen und in wissenschaftlichen Einrichtungen wird derzeit von zahlreichen Beobachtern übereinstimmend als zentrale Herausforderung für das deutsche Wissenschaftssystem interpretiert. Das Thema ist dabei sowohl in Hinblick auf die Planbarkeit und Flexibilität von Karriereverläufen, als auch in Hinblick auf die Leistungsfähigkeit des wissenschaftlichen Gesamtsystems – insbesondere seine internationale Anschluss- und Wettbewerbsfähigkeit – von besonderer Relevanz.

Die Arbeitsbedingungen der jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, insbesondere nach der Promotion, die für sie in Frage kommenden Fördermöglichkeiten und Personalkategorien, aber auch die möglichen Berufsziele in der Wissenschaft stehen im Zentrum der Überlegungen. Die Vielfalt möglicher Karrierewege und die in der Regel sehr späte Klarheit über die Berufbarkeit führen derzeit zu ausgeprägten biographischen Unsicherheiten, die es erschweren, qualifizierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu halten bzw. aus dem Ausland zu gewinnen. Die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland wird zusätzlich durch Beschäftigungsverhältnisse geschmälert, die in der Qualifizierungsphase üblicherweise von einer Kettung befristeter Verträge mit teilweise kurzen Laufzeiten sowie einer geringen Familienfreundlichkeit geprägt sind.

Die Empfehlungen werden sich auch mit den Möglichkeiten einer aktiven Personalentwicklung durch die Hochschulen und Forschungsinstitute befassen und dabei Karriereperspektiven jenseits der ordentlichen Professur in den Blick nehmen, wie sie sich in Forschung, Lehre, Administration und Management mittlerweile herausgebildet haben. Berücksichtigt werden sollen im Verlauf einer Berufsbiographie sich verändernde Schwerpunktbildungen in den Kernaufgaben wissenschaftlichen Personals sowie ein erfolgreicher Übergang in wissenschaftsnahe Tätigkeiten oder den außerakademischen Arbeitsmarkt. Der verantwortungsvolle Umgang mit Befristungen während der Qualifizierungsphase, frühere und verlässliche Perspektiven und zunehmende Selbständigkeit in Forschung und Lehre, aber auch der durch die Studienreform sich wandelnde Bedarf an Lehr- und Betreuungskräften stellen Eckpunkte der Überlegungen dar.

Die Karrierewege sind dabei im Kontext der Personalstrukturen im Wissenschaftssystem insgesamt - unter Einschluss der Fachhochschulen, die einen zunehmenden Bedarf an Mitarbeiterstellen artikulieren, und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen - zu betrachten. Besonderer Berücksichtigung bedarf zudem der Einfluss unterschiedlicher Fächerkulturen.

Die Arbeitsgruppe hat ihre Beratungen im Herbst 2012 aufgenommen.

Evaluation des Neuordnungskonzeptes Hochschulregion Lausitz | Arbeitsgruppe
Vorsitz: Herr Professor Dr. Dierk Raabe
Betreuung in der Geschäftsstelle: N.N.

In seiner Stellungnahme zur Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus aus dem Jahr 2002 hat sich der Wissenschaftsrat für eine stärkere wissenschaftliche Profilierung der BTU Cottbus sowie eine engere Kooperation mit der FH Lausitz ausgesprochen. Anfang 2012 hat eine vom Land Brandenburg eingesetzte Expertenkommission eine grundlegende Neustrukturierung der Hochschulregion Lausitz empfohlen. Auf Grundlage dieser Empfehlungen erarbeiten das Land und die evaluierten Einrichtungen in den seit Mai 2012 laufenden „Lausitzer Dialogen“ ein gemeinsames Konzept zur Weiterentwicklung der regionalen Hochschulstruktur.

Das Land Brandenburg hat den Wissenschaftsrat mit Schreiben vom 2. Mai 2012 gebeten, dieses Konzept auf seine Qualität, Konsistenz und Umsetzbarkeit hin zu evaluieren. Geprüft werden soll, ob das Neuordnungskonzept die Rahmenbedingungen für ein funktional differenziertes, gut nachgefragtes und überregional konkurrenzfähiges Hochschulangebot in der Lausitz schafft.

Die Arbeitsgruppe wird ihre Beratungen aufnehmen, sobald das Neuordnungskonzept erarbeitet wurde. Möglichst noch im Jahr 2013 soll eine Stellungnahme vorgelgt werden.

Qualifizierung von Fachkräften vor dem Hintergrund des demographischen Wandels

Vorsitz: Herr Professor Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt
Betreuung in der Geschäftsstelle: Dr. Bernhard Klingen

Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der eine Flexibilisierung der Erwerbsbiographien, eine zunehmende Ausdifferenzierung der volkswirtschaftlich nachgefragten Qualifikationsprofile und eine stetig steigende Wissensintensität vieler Tätigkeitsfelder mit sich bringt. Die verschiedenen Bereiche der post-schulischen Ausbildung stellt dies vor neue Herausforderungen. Zugleich erhöht die demographische Entwicklung mit sinkenden Erwerbspersonenzahlen die Notwendigkeit, die Produktivität und die Innovationsfähigkeit der einzelnen Fachkräfte zu erhöhen, um die aggregierte Qualifikation der Gesellschaft konstant zu halten. Nur dann können die zunehmenden Versorgungsleistungen der alternden Gesellschaft finanziert und zugleich das Wohlstandsniveau gewahrt werden.

In den Blick genommen werden soll insbesondere das Verhältnis zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Besondere Bedeutung gewinnen in diesem Zusammenhang Wechsel- und Übergangsmöglichkeiten in beiden Richtungen, die auf verlässliche und harmonisierte Regeln zur gegenseitigen Anerkennung von Lernleistungen und Kompetenzen aufbauen sollten. Um der zunehmenden Vielfalt der Tätigkeitsprofile und Qualifikationsanforderungen Rechnung zu tragen, muss verstärkt über curriculare Verzahnungen – sowohl die Anreicherung des Hochschulstudiums mit berufspraktischen Elementen als auch der Berufsausbildung mit akademischen Modulen – nachgedacht werden.

Die gesellschaftlichen Erwartungen an Bildung und Persönlichkeitsentwicklung durch ein Hochschulstudium und die Eigenlogik der Wissenschaft prägen die akademische Ausbildung ebenso wie die Berufsbezüge. Um hier eine sinnvolle Balance herzustellen, muss die Ausbildung auch hinreichend auf die Vermittlung der grundlegenden, im Erwerbsleben benötigten Kompetenzen ausgerichtet werden. Förderliche Maßnahmen und Anreize hierzu werden von der Arbeitsgruppe zu diskutieren sein. Eine stärker für Arbeitsmarktbedarfe sensibilisierte Hochschulbildung ist insbesondere angesichts der auf einem Rekordhoch verharrenden Studierendenzahlen von besonderer Bedeutung. Diese hohen Zahlen und die damit einhergehende gestiegene Heterogenität der Studierendenschaft stellen das Hochschulsystem grundsätzlich vor neue Herausforderungen hinsichtlich der Organisation, Gestaltung und Ausrichtung der Lehrangebote.

Die Arbeitsgruppe wird sich ebenfalls mit dem flächendeckenden Aufbau hochschulischer Weiterbildungsangebote für berufserfahrene Studierende mit und 14 ohne akademische Vorbildung befassen. Besondere Bedeutung fällt den Angeboten zur Weiter- und Anpassungsqualifizierung zudem bei der Integration ausländischer Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu. Gegebenenfalls wird sich die Arbeitsgruppe auch grundsätzlich mit der Rolle des Hochschulsystems in einer arbeitsmarktorientierten Einwanderungspolitik befassen. Die Arbeitsgruppe wird ihre Beratungen im Frühjahr 2013 aufnehmen. Die Vorlage einer oder mehrerer Empfehlungen – zu Teilaspekten – ist bis spätestens Sommer 2015 vorgesehen.

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