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Pressemitteilungen

NUMMER 08 vom 27. April 2015

„Wir brauchen mehr als Regeln“ | Wissenschaftsrat empfiehlt die Stärkung einer Kultur wissenschaftlicher Integrität

Wohlstand und Entwicklung moderner Gesellschaften hängen heute in hohem Maße von der Qualität und dem Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis ab. Wichtig ist dafür das öffentliche Vertrauen in gemeinsame ethische und qualitative Standards der Wissenschaftsgemeinschaft. Fälle von Betrug und Fehlverhalten – besonders die großen Fälschungs- und Plagiatsskandale – beeinträchtigen dieses Vertrauen. Als Reaktion auf Betrugsfälle und Vertrauensverlust haben viele Wissenschaftsorganisationen in den letzten Jahren Regeln und Leitlinien guter wissenschaftlicher Praxis veröffentlicht. Der Wissenschaftsrat hat nun in einem Positionspapier eine Bilanz der Aktivitäten gezogen und „Empfehlungen zu wissenschaftlicher Integrität“ verabschiedet.

Mit dem Begriff der Integrität will der Wissenschaftsrat den Fokus über die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis hinaus erweitern hin zu einer umfassenden Kultur der Redlichkeit und Qualität an wissenschaftlichen Einrichtungen. „Wir brauchen mehr als Regeln“, sagt Professor Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, „wichtig für deren Anwendung und Verinnerlichung ist eine Haltung der Integrität, die von bestimmten Rahmenbedingungen beeinflusst wird.“ Dazu zählen vor allem die Vermittlung guter wissenschaftlicher Praxis vom Beginn des Studiums an, gute Beratung und Aufklärungsstrukturen in Konfliktfällen sowie eine stärkere Ausrichtung auf Qualität als auf Quantität in der gesamten Forschungs- und Publikationspraxis.

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates widmen sich mit diesem Ansatz nicht nur gravierenden Fällen des Wissenschaftsbetrugs wie Datenfälschung oder Plagiaten, sondern betrachten auch die Grauzone verschiedener Formen nicht integren oder unverantwortlichen Verhaltens. Damit geht der Wissenschaftsrat weit über den in der öffentlichen Debatte bisher dominierenden Schwerpunkt von Plagiatsfällen in Doktorarbeiten hinaus. Betrachtet wird der gesamte Forschungsprozess und auch das Studium als entscheidende Phase für die Entwicklung wissenschaftlicher Integrität wird miteinbezogen. Das Positionspapier beleuchtet außerdem solche Rahmenbedingungen im Wissenschaftssystem, die wissenschaftliche Integrität erschweren können. Dazu zählt etwa der Druck für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, möglichst viel und in hochrangigen Fachzeitschriften zu veröffentlichen, um eine Karriere in der Wissenschaft zu verfolgen. Gepaart mit den schwierigen Arbeitsbedingungen und starken Abhängigkeiten entsteht so insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs eine Situation, die integres Handeln gefährden kann.

Von den Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen wünscht sich der Wissenschaftsrat, die Aufdeckung von Fehlverhalten als Zeichen für funktionierende Strukturen und hohe Qualitätsstandards zu werten. Nach Vorstellung des Wissenschaftsrates sollen sie künftig im Umgang mit Verdachtsfällen spezielle Beratung in einer neu zu etablierenden institutionenübergreifenden Einrichtung erhalten. Durch den Austausch und die Vernetzung der Ombudspersonen sollen sich gemeinsame Bewertungsmaßstäbe bilden und Verfahren standardisiert werden. Vergleichbare Einrichtungen sind weltweit in den meisten forschungsstarken Ländern bereits etabliert. Prenzel betont die Bedeutung der gemeinsamen Anstrengung über einzelne Akteure hinaus: „Wissenschaftliche Integrität ist die Grundlage für eine hohe Qualität und die Leistungsfähigkeit des gesamten Wissenschaftsstandorts Deutschland.“

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