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Pressemitteilungen

NUMMER 10 vom 18. April 2016

Stärkung der Geistes- und Sozial­wissenschaften | Aufnahmeanträge in die Leibniz-Gemeinschaft positiv bewertet


Der Wissenschaftsrat hat sich für die Aufnahme von fünf geistes- und sozialwissenschaftlichen Instituten in die Leibniz-Gemeinschaft und für die strategische Erweiterung von GESIS – Leibniz-Institut für Sozialforschung um eine integrierte Erhebungs- und Dateninfrastruktur ausgesprochen. Der Anstoß zu den sechs Begutachtungsverfahren ging von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) aus. Sie hatte den Wissenschaftsrat im März 2015 gebeten, fünf Institute daraufhin zu begutachten, ob sie den Anforderungen für eine Neuaufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft genügen. Zudem sollte er zu der angestrebten strategischen Erweiterung von GESIS Stellung nehmen. Geprüft werden sollten dabei die wissenschaftliche Qualität der Einrichtungen bzw. der Erweiterungsmaßnahme, ihre überregionale Bedeutung und ihre Relevanz für das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt. Im Ergebnis sollten die sechs Anträge zusammenfassend bewertet werden; hierfür stand dem Wissenschaftsrat eine Skala von „exzellent“ über „sehr gut“ und „gut“ bis „nicht hinreichend“ zur Verfügung. Für seine Empfehlung sollte der Wissenschaftsrat überdies die Stellungnahme der Leibniz-Gemein­schaft berücksichtigen, die aufgefordert war, den strategischen Nutzen der Einrichtungen bzw. der Erweiterung für die Leibniz-Gemeinschaft und deren institutionelle Passfähigkeit zu beurteilen.

Folgt die GWK diesen Empfehlungen, wird dies die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung in Deutschland stärken. „Die begutachteten Einrichtungen und die Erweiterung zeichnen sich durch hoch relevante und sehr gute bis herausragende Forschungsleistungen aus“, so Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrates. „Eine Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft würde einen großen Beitrag zur Weiterentwicklung dieser für uns bedeutsamen Forschung bedeuten. Hierfür ist dann auch eine enge Zusammenarbeit vor allem mit Universitäten im In- und Ausland essentiell.“

Die positiven Voten gelten — neben GESIS — dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas in Leipzig, dem Institut für Ost- und Südost­europaforschung in Regensburg, dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig sowie dem Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft und dem Zentrum Moderner Orient in Berlin.

Zu den Stellungnahmen im Einzelnen:

Das Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. (GWZO) in Leipzig hat sich mit sehr guten Forschungsarbeiten international großes Ansehen erworben und leistet einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der Region von der Ostsee bis zur Adria. „Wie wichtig wissenschaftlich fundierte Kenntnisse über unsere östlichen Nachbarn sind, zeigen die aktuellen politischen Entwicklungen eindrücklich“, betont Prenzel. Besonders positiv hebt der Wissenschaftsrat daher auch die Vermittlungsleistungen des GWZO hervor. Vor allem mit exzellenten Ausstellungen, die das Zentrum teilweise gemeinsam mit renommierten Museen konzipiert, aber auch mit öffentlichen Vortragsreihen gelingt es der Einrichtung, einem interessierten Publikum Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen zu verschaffen und dabei auch sehr flexibel auf dessen Informationsbedürfnisse etwa zur Ukraine-Krise zu reagieren. Empfohlen wird dem GWZO, seine überzeugenden Überlegungen für ein künftiges Forschungsprogramm rasch konzeptionell auszuarbeiten. Im Hinblick auf die empfohlene Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft sind zudem Satzungsänderungen erforderlich.


Eine deutschlandweit einzigartige Verbindung geschichts- und wirtschaftswissenschaftlicher Forschung kennzeichnet das Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) in Regensburg, das 2012 aus der Fusion zweier traditionsreicher Vorgängereinrichtungen hervorgegangen ist. Das international renommierte Institut überzeugt durch exzellente Forschungsleistungen, von denen für die Weiterentwicklung beider Fächer wichtige Impulse ausgehen. „Mit Schwerpunkten wie Arbeit, Migration und Konfliktforschung trägt das IOS dazu bei, wissenschaftlich und gesellschaftlich aktuellen Themen und Debatten die erforderliche historische und ökonomische Tiefe zu verleihen. Der nächste Schritt muss nun sein, diese Kompetenzen auch stärker für die Politikberatung zu nutzen“, so Prenzel. Für die wissenschaftlichen Fachgemeinschaften erbringt das Institut hochwertige Informationsinfrastrukturleistungen etwa in Gestalt von Daten­banken, Zeitschriften und Beiträgen zu wichtigen Online-Fachportalen. Ebenso wie das GWZO ist das IOS hervorragend mit seiner Forschungsregion vernetzt und bildet eine wichtige Brücke zum östlichen und südöstlichen Europa.


Das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) in Schleswig ist die einzige Forschungseinrichtung in Europa, die sich der länderübergreifenden archäologischen Forschung in Nord- und Osteuropa widmet und so der gemeinsamen frühen Geschichte dieses Raumes Rechnung trägt. Mit seinen sehr guten Forschungsleistungen genießt das ZBSA international große Anerkennung und ist ein wichtiger Partner für archäologische bzw. vor- und frühgeschichtliche Forschungseinrichtungen in Skandinavien und Osteuropa. Es wirkt als Mittler zwischen der west- und der osteuropäischen Archäologie und betreibt einen lebhaften Wissenstransfer in seine Forschungs­region. Wichtige Dienstleistungen für in- und ausländische Kooperationspartner erbringt das ZBSA mit der Erhebung und Auswertung archäologischer Daten aus Basis eines Geographischen Informationssystems (GIS).


Das Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) in Berlin zeichnet sich durch herausragende Forschungsleistungen und innovative Ansätze aus. Es gelingt  dem ZAS, theoriegeleitete und anwendungsorientierte Forschung in überzeugender Weise zu verbinden. Dabei arbeitet das Zentrum schwerpunktmäßig zu nicht-euro­päischen kleinen Sprachen, wie aktuell den kleinen Sprachen Ozeaniens und Südamerikas. „Während die so genannten großen Sprachen an Universitäten intensiv erforscht werden, ist die Forschung zu kleinen Sprachen universitär kaum verortet und in der am ZAS etablierten Breite und Tiefe dort auch nur schwer möglich,“ erklärt der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Manfred Prenzel. Die damit verbundene Forschungskompetenz ist jedoch von hoher Relevanz und auch Aktualität, da weltweit zahlreiche kleine Sprachen vom Verschwinden bedroht sind. Gerade sie aber zeigen eine Fülle von sprachlichen Phänomenen, die in den großen Sprachen nicht vorkommen. Das ZAS ist eindrucksvoll vernetzt mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. Mit diesem Profil hat das ZAS sich zu einem in Deutschland einzigartigen und international sichtbaren Zentrum der allgemeinen Sprachwissenschaft entwickelt.


Das Zentrum Modener Orient (ZMO) in Berlin hat mit seiner multidisziplinären Forschung zur Geschichte und Gesellschaft muslimisch geprägter Regionen Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Ostens sowie Süd- und Südostasiens ein erhebliches internationales Renommee erlangt. „Das ZMO zeichnet sich durch seine dezidiert nicht Europa-zentrierte Betrachtungsweise aus und gewinnt gerade dadurch über seine wissenschaftliche Bedeutung hinaus auch eine große gesellschaftspolitische Relevanz als Mittler zwischen den Kulturen“, verdeutlicht Prenzel. Sehr gut ist die historisch vergleichend ausgerichtete Forschung des Zentrums. Die sozialanthropologisch ausgerichtete Forschung ergänzt das Zentrumsprofil auf sinnvolle Weise, muss aber noch methodisch gestärkt und enger mit der historischen Forschung verbunden werden.


Der Antrag auf eine strategische Erweiterung von GESIS − Leibniz-Institut für Sozialforschung umfasst die dauerhafte Finanzierung der Umfrageprogramme European Social Survey (ESS), European Values Study (EVS), German Longitudinal Election Study (GLES), Comparative Candidates Survey (CCS), Comparative Study of Electoral Systems (CSES) sowie des GESIS Panels über den institutionellen Haushalt von GESIS. Des Weiteren sollen die genannten Umfrageprogramme mit der bereits bei GESIS geführten Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) und dem International Social Survey Programme (ISSP) zu einer integrierten Erhebungs- und Dateninfrastruktur fusioniert werden. „Die Umfrageprogramme der strategischen Erweiterung leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur empirischen Sozialforschung. Durch die integrierte Forschungsinfrastruktur werden sich voraussichtlich struktur­bildende Effekte für die Sozialwissenschaften ergeben, die sehr gute Position Deutschlands im Bereich der international vergleichenden Sozialforschung wird weiter gestärkt“, hebt Prenzel hervor. Voraussetzung hierfür ist eine noch zu erarbeitende Umsetzungsplanung, die die Auswirkungen der integrierten Erhebungs- und Daten­infrastruktur auf die Organisation von GESIS und für das Feld als Ganzes in den Blick nimmt. GESIS wird empfohlen, hierbei besonderes Augenmerk auf die Architektur der Qualitätssicherung und die Einbeziehung der Fachgemeinschaften in die Ausgestaltung des Vorhabens zu legen.

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