Der Wissenschaftsrat hat Empfehlungen zur Hochschulentwicklung durch Multimedia in Studium und Lehre verabschiedet. Multimedia ermöglicht, die Zeit- und Ortsgebundenheit von Lehre und Lernen aufzuheben sowie Präsenzlehre von Routineaufgaben zu entlasten. Die vielfältigen Potentiale von Multimedia sollten zur Stärkung von Lehre und Studium in Kleingruppen, zur Flexibilisierung von Studienstruktur und -organisation sowie für neue Konzepte problemorientierten und interdisziplinären Lernens genutzt werden. Multimedia erlaubt es, daß nicht mehr alle Hochschulen und alle Fakultäten ein vollständiges Lehrangebot im jeweiligen Fach bereithalten müssen, um einen Studiengang mit abschließender Verleihung eines Grades anzubieten. Hochschulinterne wie hochschulübergreifende Kooperationsvereinbarungen sollen künftig ermöglichen, das Studienangebot zu vervollständigen oder gemeinsame Angebote zu entwickeln. Als Voraussetzung hierfür werden Transparenz und der Aufbau eines Systems zur Qualitätssicherung empfohlen.
Da es entscheidend vom Grad der Vernetzung und der Computerausstattung in den Hochschulen abhängen wird, in welchem Maße Multimedia zur Steigerung der Qualität der Lehre eingesetzt werden kann, werden eine flächendeckende, leistungsstarke hochschulinterne Vernetzung und eine Ausstattung mit Arbeitsplatzrechnern für Studierende im Verhältnis von mindestens 1:10 empfohlen.
Allein für die dringend erforderliche hochschulinterne Vernetzung sind zwischen 1,5 bis 3,5 Milliarden DM sowie rund eine Milliarde DM für die bessere Ausstattung mit Studierenden-Arbeitsplatzrechnern notwendig. Als wichtiges Element einer Investitionsstrategie sieht der Wissenschaftsrat das Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) an, ggf. unter Ausschöpfung des kürzlich eingerichteten Instruments der Vorhabenprogramme. Die notwendigen Aufwendungen können allerdings nicht alleine durch eine Prioritätensetzung erbracht werden, sondern erfordern zusätzliche Mittel. Diese Anstrengung ist unerläßlich, um vorhandene Defizite bei der räumlichen, personellen und sächlichen Ausstattung zu mildern, die Qualität von Lehre und Studium zu stärken und damit die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Hochschulen und ihrer Absolventen zu sichern. Deshalb können zunächst durch Multimedia kaum Effizienzgewinne in den Hochschulen erwartet werden. Multimedia muß vielmehr Bestandteil der inhaltlichen, technischen und didaktischen Entwicklungskonzepte der Hochschulen werden - so Professor Schulze, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates.
Da heute bereits viele Studierende einen privat finanzierten Computer besitzen, hält es der Wissenschaftsrat mittelfristig für zumutbar, daß alle Studierenden über einen leistungsfähigen persönlichen Computer verfügen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß den Studierenden über die Hochschule hinaus leistungsfähige Zugangsnetze angeboten werden können und Sonderkonditionen für die Netznutzung im Rahmen des Studiums gewährt werden.
Hinweis: Die Empfehlungen zur Hochschulentwicklung durch Multimedia in Studium und Lehre (Drs. 3536/98, 44 Seiten) sind im Netz als Volltext veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates schriftlich oder per
eMail angefordert werden.