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Pressemitteilung 14/2000
vom 7. Juli 2000
Wissenschaftsrat verabschiedet Thesen zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland
Der Wissenschaftsrat hat auf seinen Sommersitzungen in Berlin Thesen zu grundlegenden und dringenden Reformen des deutschen Wissenschaftssystems diskutiert und verabschiedet. Er gibt damit neue Impulse in eine Reformdebatte, die seit mehren Jahren geführt wird und die durch den zunehmenden internationalen Wettbewerb der Wissenschaftssysteme zusätzliche Anstöße erhalten hatte.
Herausforderungen für das künftige Wissenschaftssystem stellen sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren vor allem auf drei Gebieten:
Zur erfolgreichen Bewältigung dieser übergreifenden Herausforderungen sind Reformen in den folgenden Handlungsfeldern notwendig:
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Die Universitäten sind der institutionelle Ort im Wissenschaftssystem, an dem die besten Chancen für eine zeitgemäße Erneuerung der Einheit von Forschung und Lehre bestehen. Die Universitäten müssen hierzu nicht nur Stätten hervorragender Forschung und Lehre sein, sondern zugleich auch Organisationszentren der Wissenschaft werden. Die Fachhochschulen, die wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Berufsausbildung anbieten, sollten massiv ausgebaut, ihr Fächerspektrum erweitert werden. Private Hochschulen, deren Bedeutung künftig zunehmen wird, können das staatliche Studienangebot ergänzen und wettbewerbsbelebend wirken. In solchen Fällen können sie für den Staat ein interessanter Vertragspartner für Leistungskauf, für staatliche Hochschulen ein willkommener Kooperationspartner im Rahmen eines Public-Private-Partnership sein. Hochschulen in privater Trägerschaft sollten sich grundsätzlich privat finanzieren.
- Bund und Länder sollten sich weitgehend aus der Detailsteuerung wissenschaftlicher Einrichtungen zurückziehen, die Fähigkeit der Wissenschaftseinrichtungen zur Selbstorganisation muß gestärkt werden. Überholte Steuerungsinstrumente wie die Kapazitätsverordnung sollten nur noch Übergangscharakter haben, längerfristig ganz abgeschafft und durch Zielvereinbarungen zwischen Staat und Hochschulen über die Zahl der bereitzustellenden Studienplätze ersetzt werden. Die Instrumente der wissenschaftspolitischen Entscheidungsvorbereitung und -findung wie Evaluation und Prospektion müssen deutlich verbessert werden.
- Die Profilbildung der Wissenschaftseinrichtungen muß intensiviert und der Wettbewerb gestärkt werden; eine Konzentration auf leistungsstarke Einrichtungen ist erforderlich. Forschungseinrichtungen sollten grundsätzlich nur noch mit begrenztem Auftrag und zunächst befristet eingerichtet werden.
- Der institutionelle Wettbewerb, vor allem zwischen den Wissenschaftseinrichtungen, muß gestärkt werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bleibt das wichtigste Instrument zur Förderung des externen Wettbewerbs im Bereich der selbstbestimmten, an Maßstäben wissenschaftlicher Exzellenz orientierten Forschung. Die Förderung der anwendungsbezogenen Forschung muß umstrukturiert und ausgebaut werden.
- Kooperationen zwischen unterschiedlichen Wissenschaftseinrichtungen müssen zukünftig erweitert und intensiviert werden. Die Ansiedlung von unterschiedlichen Wissenschaftseinrichtungen an einem Ort soll zur Bildung komplexer Verbundstrukturen genutzt werden, die auch private Partner mit einbezieht.
- Die Mobilität von Wissenschaftlern und Studierenden muß gesteigert werden. Innerhalb der Europäischen Union sollten Studien- und Studienabschlußstrukturen abgestimmt und vereinheitlicht werden. Mobilitätshindernisse für Wissenschaftler müssen beseitigt, auf Professuren sollten künftig möglichst Wissenschaftler berufen werden, die über namhafte Arbeitserfahrung im Ausland verfügen.
Im Zuge der Verwirklichung der angestrebten Reformen erachtet es der Wissenschaftsrat als notwendig, daß Bund und Länder deutlich höhere finanzielle Anstrengungen zur Förderung von Wissenschaft und Forschung unternehmen. Wenn Deutschland gegenüber Ländern mit vergleichbarer Wirtschaftskraft nicht zurückfallen will, muß es auch in dieser Hinsicht die Bedingungen für ein künftiges Wissenschaftssystem schaffen.
Hinweis:
Der vollständige Text der Thesen zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland (Drs. 4594/00) kann in der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates schriftlich oder per E-Mail angefordert werden und ist außerdem als pdf-Datei hier erhältlich. Die englische Übersetzung Theses for the Future Development of the System of Higher Education and Research in Germany kann ebenfalls hier abgerufen werden.
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