Wissenschaftsrat

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Ergebnisse der Herbstsitzungen des Wissenschaftsrats (21.­−23. Oktober 2020)

Nicht erst seit COVID-19 virulent: Wissenschaftsrat fordert Kulturwandel in datenintensiver Wissenschaft

Ausgabe 24 | 2020
Datum 26.10.2020

Die diesjährigen Herbstsitzungen des Wissenschaftsrats mussten pandemiebedingt rein virtuell stattfinden. Verabschiedet wurden ein Positionspapier zur datenintensiven Forschung, Empfehlungen zu Perspektiven der Informatik, eine Stellungnahme zur Einführung des Kerndatensatz Forschung und ein Positionspapier zur Wissenschaft im Spannungsfeld von Disziplinarität und Interdisziplinarität. Außerdem hat der Wissenschaftsrat drei Entscheidungen im Verfahren der Institutionellen Akkreditierung getroffen.

Um einen Kulturwandel in der datenintensiven Wissenschaft einzuleiten, hat der Wissenschaftsrat das Positionspapier „Zum Wandel in den Wissenschaften durch datenintensive Forschung“ mit acht Leitlinien und daraus resultierenden Empfehlungen verabschiedet. Adressaten sind Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Forschungs­förderer sowie Bund und Länder. Derzeit illustriert die Pandemie sehr konkret, was bis vor Kurzem für Viele noch abstrakt war: die intensive Nutzung digitaler Daten eröffnet der Forschung heute eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Denn in den ersten Monaten des Jahres 2020 wuchs der Forschungsstand über die neue Coronavirus-Erkrankung COVID-19 rasant an und neue Methoden der Datengewinnung, des Datenaustauschs und der Datenanalyse hatten an dieser Beschleunigung großen Anteil. Während digitale Infrastrukturen auf dem neuesten Stand für datenintensive Forschung essentiell sind, geht es nach Auffassung des Wissenschaftsrats jedoch um mehr: „Dreh- und Angelpunkt des nötigen Kulturwandels ist die Bereitschaft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Daten mit anderen zu teilen“, konstatiert die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professorin Dorothea Wagner. Mit seinem Positionspapier will das wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern alle Verantwortlichen und Beteiligten in diesem Prozess unterstützen.

In den „Perspektiven der Informatik in Deutschland“ empfiehlt der Wissenschaftsrat Maßnahmen zur Stärkung eines Faches, das sich in Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte vom akademischen Neuling zu einem der gefragtesten Studienfächer und einer forschungsstarken Disziplin entwickelt hat. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung des Faches stetig zu: Alle Lebensbereiche sind mittlerweile von Informatiksystemen und
-produkten durchdrungen. Der Bedarf an Informatikerinnen und Informatikern auf dem inner- wie außerakademischen Arbeitsmarkt ist immens. In seinen Empfehlungen hat der Wissenschaftsrat einen Schwerpunkt auf die Frage gelegt, wie der Personalknappheit entgegengewirkt werden kann. „Es ist wichtig, auf verschiedenen Ebenen anzusetzen“, so die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professorin Dorothea Wagner, die selbst vom Fach ist. In diesem Sinne empfiehlt das wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern zum einen Maßnahmen, um Stellen im akademischen Raum noch attraktiver zu machen. Zum anderen hält der Wissenschaftsrat aber auch große Anstrengungen für erforderlich, damit noch mehr junge Menschen ein Informatikstudium aufnehmen und erfolgreich abschließen. Nicht zuletzt richtet der Wissenschaftsrat sein Augenmerk auch auf die informatische Bildung in der Schule. Sie ist ein Schlüssel dazu, den digitalen Wandel in der Gesellschaft erfolgreich, inklusiv und nachhaltig zu gestalten.

Der Kerndatensatz Forschung, der künftig „KDSF – Standard für Forschungsinformationen in Deutschland“ heißen soll, bietet viele bisher noch ungenutzte Analysemöglichkeiten. 2016 als Standard für die Dokumentation von Forschungsaktivitäten und deren Kontext eingeführt, bietet er viele bisher noch ungenutzte Analysemöglichkeiten. Vor allem können Hochschulen und Forschungseinrichtungen damit noch auskunfts- und strategiefähiger werden. Daher hat der Wissenschaftsrat nun die „Stellungnahme zur Einführung des Kerndatensatz Forschung“ verabschiedet: „Die wissenschaftlichen Einrichtungen können – und sollten – das Potenzial des Standards noch viel stärker ausschöpfen“, so Wagner. Eine datenbasierte Analyse von Forschungsaktivitäten als Teil eines professionellen Informationsmanagements erlaubt es, eigene Stärken und Schwächen zu identifizieren. So kann der Kerndatensatz Forschung maßgeblich dabei helfen, die eigene Auskunfts- und Strategiefähigkeit zu verbessern. Allerdings setzt eine weitere Verbreitung und intensivere Nutzung des Standards voraus, dass sich auch die datenabfragenden Instanzen zu ihm bekennen. „Wir appellieren daher an Bund und Länder sowie evaluierende Einrichtungen, ihre Datenabfragen an den Kerndatensatz Forschung anzupassen“, resümiert Wagner. Um dem Standard im Wissenschaftssystem den nötigen Rückhalt zu verleihen, schlägt der Wissenschaftsrat vor, eine Kommission für Forschungsinformationen in Deutschland (KFiD) zu gründen und diese an einer geeigneten Trägerorganisation anzusiedeln.

Mit dem Positionspapier zur „Wissenschaft im Spannungsfeld von Disziplinarität und Interdisziplinarität“ will der Wissenschaftsrat ein sachgerechtes Verhältnis von disziplinärer, multi- und interdisziplinärer Wissenschaft in Lehre und Forschung fördern. Interdisziplinarität hat im wissenschaftspolitischen Diskurs der letzten Jahrzehnte einen hohen Stellenwert gewonnen. Viel seltener in den Blick genommen wird die Disziplinarität in Forschung und Lehre. Leistungsfähige Disziplinen sind aber eine Voraussetzung für gelingende Interdisziplinarität, die ihrerseits Impulse für die Entwicklung der Fächer geben kann. Daher betrachtet der Wissenschaftsrat das Spannungsverhältnis von disziplinärer und interdisziplinärer Wissenschaft genauer. „Disziplinäre und interdisziplinäre Wissenschaft sind keine Gegensätze, sondern gleichwertige Formen wissenschaftlichen Arbeitens innerhalb eines breiten Aufgabenspektrums“, betont Wagner. „Sie stehen demnach in einer engen Wechselbeziehung.“ Das Positionspapier gibt Empfehlungen zum Umgang mit Disziplinarität und Interdisziplinarität in Forschung, Lehre und Begutachtungsprozessen. Unter anderem behandelt die Frage, wie Risiken einer interdisziplinären Qualifizierung für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler minimiert werden können.

Außerdem hat der Wissenschaftsrat drei Entscheidungen im Verfahren der Institutionellen Akkreditierung getroffen.