Für Prävention handeln – Community Health Nursing stärken
Ausgabe 23 | 2026
Datum 21.10.2026
Fachtagung setzt Impulse für eine wissenschaftsbasierte, alltagsnahe und gesundheitsorientierte Pflege
Personalmangel, eine immer älter und kränker werdende Gesellschaft und eine Versorgung, die zu sehr auf Krankheit fokussiert ist: Das deutsche Gesundheitssystem braucht einen Kulturwandel. Wie kann dieser Wandel hin zu mehr Prävention und Gesundheitsförderung gelingen? Community Health Nursing könnte ein Teil der Lösung sein. Was kann dieses in Deutschland noch am Anfang stehende Berufsbild für die Bevölkerungsgesundheit leisten – und was ist nötig, um es breiter zu etablieren?
Teilnehmende eines der Podien der Tagung Quelle: Wissenschaftsrat | P. Meuser
Der Wissenschaftsrat hat am 20. Oktober 2026 zu einer Fachtagung in Hamburg geladen, um über diese Fragen und das Berufsbild Community Health Nursing (CHN) zu diskutieren. An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Lehre, Politik und Gesundheitswesen zusammen, um sich darüber auszutauschen, wie sich der bislang in Deutschland noch unterrepräsentierte Beruf weiter etablieren lässt. CHNs sind spezialisierte Pflegefachpersonen, die Menschen in ihrem Wohnumfeld beraten und ihnen helfen, ihre Gesundheit zu erhalten oder mit ihrer Krankheit zu leben.
Ziel der Tagung des Wissenschaftsrats war es, das Berufsbild von CHN zu stärken, sein wissenschaftliches Profil zu schärfen und erfolgreiche Praxisbeispiele aus verschiedenen Regionen national sichtbar zu machen.
Die Expertinnen und Experten diskutierten, welche Chancen Community Health Nursing für Prävention, Versorgung und die allgemeine Bevölkerungsgesundheit birgt. Sie setzten sich zudem mit der Frage auseinander, wie die Zukunft des Berufsbilds gestaltet werden kann: welche Hebel müssen dafür bedient werden und welche Netzwerke gestärkt oder aktiviert? In interaktiven Workshop-Formaten zu Qualifizierungswegen, Interprofessionalität, wissenschaftlichem Profil und Berufsperspektiven erarbeiteten die Teilnehmenden konkrete Handlungsmöglichkeiten der relevanten Akteure und Umsetzungsvorschläge.
Eine zentrale Erkenntnis der Tagung fasste der WR-Vorsitzende Wolfgang Wick zusammen: „Community Health Nurses können eine wichtige Rolle in einer gesundheitsorientierten Versorgung einnehmen und zu dem vom Wissenschaftsrat geforderten Kulturwandel beitragen.“
Auch WR-Mitglied Uta Gaidys, als Dekanin der Fakultät Gesundheit und Professorin für Pflegewissenschaft an der HAW Hamburg zugleich Gastgeberin der Tagung, sieht Potenzial darin, das Berufsbild breiter zu etablieren: „Community Health Nurses erweitern die pflegerische Versorgung und helfen Menschen nicht nur, mit ihrer Krankheit zu leben, sondern vor allem auch, ihre Gesundheit zu erhalten – und das nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft. Die Tagung hat gezeigt, wie wichtig solche präventiven Ansätze für die Gesundheitsversorgung der Zukunft sind. Um sie zu stärken, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen für Forschung, Studium und die Qualifizierung künftiger Fachkräfte.“
Um die Community Health Nurses weiter in Deutschland zu etablieren und ihre Potenziale zu nutzen, sind aus Sicht der Teilnehmenden folgende Aspekte zentral:
- Eigenverantwortung in der Berufsausübung stärken, insbesondere auch für Prävention und Gesundheitsförderung
- Schnittstellen zwischen Gesundheits- und Sozialprofessionen nutzen und interprofessionelle Versorgungspfade etablieren
- Forschungskomponente im Rollenprofil und interdisziplinäre Vernetzung ausbauen
- Daten aus dem berufspraktischen Alltag von CHN strukturiert erheben und für die Forschung nutzen
- Freiräume für interprofessionelles Lehren und Lernen im Studium schaffen
- Fort- und Weiterbildungsmodule gestalten, die Spezialisierung ermöglichen und Durchlässigkeit unterstützen.
Ausgerichtet wurde die Tagung vom Wissenschaftsrat mit Unterstützung der HAW Hamburg. Sie fand statt im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2026 zum Thema „Medizin der Zukunft“.