Zeit zum Handeln: Das Gesundheitssystem braucht mehr Prävention
VolkswagenStiftung und Wissenschaftsrat setzen mit internationaler Konferenz Signal für eine stärkere Gesundheitsorientierung
Podiumsdiskussion zum WR-Positionspapier „Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft“ mit Tobias Schmid (Host), Veronika von Messling, Falko Mohrs, Georg Schütte, Cornelia Betsch, Danielle Jansen und Wolfgang Philipp (v.l.n.r)
Eine alternde Bevölkerung, Fachkräftemangel, die Zunahme chronischer Krankheiten und klimabedingte Gesundheitsrisiken machen es dringlicher denn je, den gesellschaftlichen Fokus verstärkt auf Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung zu legen. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa und aus globaler Perspektive. Gesundheit hängt nicht allein von individuellen Entscheidungen ab. Auch gesunde Lebensbedingungen und ‑umgebungen spielen eine entscheidende Rolle.
Bei der von Wissenschaftsrat und VolkswagenStiftung in Hannover durchgeführten Konferenz „Preventive Health Care: From Research to Action“ kamen am 25. Februar 2026 rund 200 internationale Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Politik, Wirtschaft und Versorgung zusammen. In den Diskussionen standen europäische Erfahrungen und Best Practices aus Präventionsforschung, ‑politik und Versorgungspraxis im Fokus. Die entscheidende Frage: Wie kann evidenzbasiertes Handeln für Krankheitsprävention gesamtgesellschaftlich gelingen? Grundlage der Konferenz war das Anfang Februar vom Wissenschaftsrat veröffentlichte Positionspapier „Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft“.
Der WR-Vorsitzende, Wolfgang Wick, stellt das WR-Positionspapier "Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft" vor, das Impulse für einen gesundheitsorientierten Wandel in Deutschland setzt.
„Unser Gesundheitssystem ist zu sehr ein Reparaturbetrieb und sollte mehr auf Prävention setzen. Zudem brauchen wir für eine systemische Stärkung der Bevölkerungsgesundheit das verbindliche Engagement vieler Akteure – aus Politik, Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen, aber auch Gesellschaft und Industrie,“ betonte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick. Konsens der Teilnehmenden war, dass die Umsetzung von Prävention Vorrang haben muss. „Natürlich ist mehr Forschung wichtig. Doch wir wissen viel und haben zahlreiche Instrumente. Jetzt ist die Zeit zum Handeln, um Prävention schnell zu stärken,“ sagte Wolfgang Wick.
Überzeugende wissenschaftliche Evidenz wird zu wenig in praktische Maßnahmen übersetzt. „Es herrscht Einigkeit, dass Prävention wichtig ist. Doch die Anwendung muss besser werden. Hierfür notwendig sind eine bessere Kommunikation und vor allem mehr Zusammenarbeit und Koordination – seitens der Politik und im Gesundheitssystem. Prävention muss zur Priorität werden,“ unterstrich der Vorstand der VolkswagenStiftung, Georg Schütte.
Blick in den Hörsaal: Rund 200 Gäste verfolgten die Konferenz „Preventive Health Care: From Research to Action“
Auch die verschiedenen Expertinnen und Experten plädierten dafür, dass der Wert von Gesundheit weit über das Gesundheitssystem hinausgeht. Die Erfahrungen aus Finnland, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern zeigen, dass konsequente und langfristig angelegte Präventionsstrategien zu messbaren und nachhaltigen Verbesserungen der Bevölkerungsgesundheit führen können. Gleichzeitig gilt: mutig sein, nicht auf Regulierungen warten, sondern sich aktiv und institutionsübergreifend für Krankheitsprävention einsetzen und gesundheitsförderliche Lebenswelten gestalten.
Das Wissen einer ganzen Bandbreite an wissenschaftlichen Disziplinen und Professionen – über den Bildungs- und Sozialbereich bis hin zu psychologischen und Gesundheitsfachberufen – muss genutzt und zusammengebracht werden. Es braucht eine zielgruppengerechte Ansprache, auch über unterschiedliche mediale Formate, um eine kultur- wie verhaltenssensible Gesundheitskommunikation zu gestalten. Zudem zentral: Menschen einbeziehen und Real World Data nutzen, um in der Forschung auch tatsächliche Effekte und Bedarfe von gesundheitsförderlichen Maßnahmen besser zu verstehen.
Die internationale Konferenz "Preventive Health Care: From Research to Action" wurde vom Wissenschaftsrat in Zusammenarbeit mit der VolkswagenStiftung organisiert. Im Bild: Georg Schütte (Vorstand,VolkswagenStiftung) und Wolfgang Wick (WR-Vorsitzender)
Die gemeinsame Tagung mit der VolkswagenStiftung war der Auftakt für weitere Aktivitäten und Dialogformate, mit denen der Wissenschaftsrat Prävention und die Wirkung des Positionspapiers stärken will. Hierfür wird der Wissenschaftsrat auch mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) und mit weiteren Kooperationspartnern zusammenarbeiten. Die Dietmar Hopp Stiftung ermöglicht dem Wissenschaftsrat dabei im Rahmen ihres Förderschwerpunkts Prävention zentrale Ressourcen, die den Austausch tragen und die Umsetzung der Aktivitäten wirkungsvoll unterstützen.
Die Konferenz fand im Rahmen des Wissenschaftsjahrs zum Thema „Medizin der Zukunft“ statt.
Weiterführende Informationen
Agenda | Preventive Health Care: From Research to Action. Conference, 25 February 2026 (PDF, 178KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Information about speakers and networks | Preventive Health Care: From Research to Action. Conference, 25 February 2026 (PDF, 1MB, Datei ist nicht barrierefrei)
Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft
Positionspapier
Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft | Positionspapier (Drs. 3003-26), Januar 2026 (PDF, 2MB, Datei ist nicht barrierefrei)
Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft | Kurzfassung (Drs. 3003-26_K), Januar 2026 (PDF, 177KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Translating Prevention and Health Promotion into Action in Research, Health Care and Society | Abstract (Drs. 3003-26_K_en), January 2026 (PDF, 172KB, Datei ist nicht barrierefrei)
Podcast
"Prävention statt Reparatur" (25. Februar 2026) | Wie wir unser Gesundheitssystem neu ausrichten
Bilder: Burkert & Pilar