Das geht auch schneller: Wege aus dem Sanierungsstau an deutschen Hochschulen
Ausgabe 18 | 2026
Datum 09.07.2026
Tagung des Wissenschaftsrats diskutiert Strategien und Lösungen
Quelle: WR
Bröckelnder Putz, undichte Fenster, wegen Einsturzgefahr gesperrte Hörsäle – der Sanierungsstau im deutschen Hochschulbau ist unübersehbar. Die Kosten für die notwendigen Baumaßnahmen werden auf über 70 Milliarden Euro geschätzt. Diese hohen Summen sind die Folge zu geringer Investitionen über Jahrzehnte hinweg. Doch Versäumnisse der Vergangenheit, explodierende Baukosten und knappe Haushalte der für den Hochschulbau zuständigen Länder sind nicht allein die Ursache. Neubauten von Hochschulgebäuden dauern zu lange. Aktuell liegen bis zu 15 Jahre zwischen der ersten Planung und dem Bauabschluss. Die Gebäude werden so immer teurer und entsprechen am Ende Anforderungen, die längst überholt sind. Es muss deshalb viel schneller gebaut und saniert werden, waren sich die Teilnehmenden der Tagung „Hochschulbau zukunftsfähig gestalten“ einig, zu der der Wissenschaftsrat (WR) am 8. Juli nach Köln in die Fritz Thyssen Stiftung eingeladen hatte. Akteure aus Politik, Verwaltung, Hochschulen und Bauwirtschaft diskutierten Strategien und Erfolgsbeispiele.
Alle Beteiligten müssten bei Planung, Genehmigung und Bau parallel und verzahnt zusammenarbeiten forderte Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Das spare Prüfschleifen, ‚verlorene Planungen‘, Zeit und Geld. Ihr Ministerkollege Falko Mohrs aus Niedersachsen warb für mehr Flexibilität und langfristige Finanzierung. Walther Rosenthal plädierte als Präsident der Hochschulrektorenkonferenz dafür, Hochschulen so viel Entscheidungsfreiheit und Verantwortung beim Bau zu geben wie möglich. Hierfür müssten die Hochschulen allerdings die notwendigen Kompetenzen haben oder aufbauen.
Der Vorsitzende des WR, Wolfgang Wick, empfiehlt einen Schulterschluss zwischen Bund und Ländern: „Die Zukunft des Hochschulbaus gelingt nur als Gemeinschaftsaufgabe: Bund, Länder und Hochschulen müssen Investitionen nicht als Kosten, sondern als langfristige Sicherung von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt Demokratiesicherung verstehen.“
Konsens unter den Teilnehmenden war: Hochschulen brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf und ausreichend große Labore und Hörsäle, sondern auch Räume für Begegnung, Austausch und Identifikation. Zugleich müssen Flächen sparsam mit Blick auf künftige Bedarfe und Unterhaltskosten, etwa durch Klimatisierung geplant werden. Einigkeit herrschte zudem, dass trotz zusätzlicher Mittel aus dem Sondervermögen der Bundesregierung Prioritäten gesetzt, Kooperationen gesucht und Bestandsbauten klug genutzt werden müssen. Man könne nicht alles abreißen und neu bauen, sondern müsse auch mit dem umgehen, was vorhanden ist.
Tatsächlich zeigten verschiedene Beispiele, dass es mit unterschiedlichen Modellen schon jetzt gelingt, die Dauer von Bauverfahren auf rund sechs Jahre stark zu verkürzen. Entscheidend ist dabei nicht, ob Universitäten als autonome Bauherren agieren, die Aufgaben an Landesbaubetriebe ausgelagert werden oder ob es um Eigentums- oder Mietmodelle geht. Zentral sind klare Rollen, wenig Schnittstellen, professionelles Management, mehrjährige Budgetfreigaben und Mut, vorhandene Spielräume zu nutzen sowie Entscheidungen schnell zu treffen – am besten innerhalb von Tagen statt von Monaten.
Weitere Empfehlungen waren: Die Bestandserhaltung stärken und laufende Sanierungsmittel von Anfang an einplanen. Wo Sanierung sinnvoll, kostengünstiger und zeitsparender möglich ist, sollte sie dem Neubau vorgezogen werden. Funktionalität sollte klar priorisiert werden. Öffentlich-private Partnerschaften können zusätzliche Mittel erschließen – vorausgesetzt, sie werden im Interesse der Hochschulen umgesetzt. Über eine Anpassung des Tarifrechts und der Eingruppierung im öffentlichen Dienst kann die Attraktivität von Stellen in Baubetrieben gesteigert werden. Die späteren NutzerInnen von Gebäuden sollten frühzeitig und strukturiert in Planung und Umsetzung eingebunden werden.
Die Veranstaltung zeigte, dass es gute Modelle und Ideen gibt. Die Vernetzung der beteiligten Akteure und das Lernen voneinander sind deshalb ebenso wichtig wie ausreichende Finanzierung, politische Unterstützung und gute Rahmenbedingungen für schnelle Prozesse von der Planung bis zum Abschluss von Sanierungen und Neubauten.