Wissenschaftsrat

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Wissenschaftsrat bewertet geplante Erweiterungen von Leibniz-Instituten

Ausgabe 16 | 2026
Datum 06.07.2026

Auf Bitten der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hat der Wissenschaftsrat drei strategische Erweiterungsanträge von Mitgliedseinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft bewertet. Die Ergebnisse reichen von „exzellent“ über „sehr gut“ bis „nicht hinreichend“.

Besonders überzeugt hat den Wissenschaftsrat das Erweiterungsvorhaben des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Seit mehr als vierzig Jahren führt das SOEP jährliche Wiederholungsbefragungen einer repräsentativen Stichprobe privater Haushalte in Deutschland durch. Das Ziel ist es, den gesellschaftlichen Wandel und die Veränderung von Lebensverhältnissen zu erfassen. Das SOEP strebt nun an, diese Veränderungen noch besser abzubilden und Daten zu den Auswirkungen langfristiger gesellschaftlicher Entwicklungen und akuter Krisen wie z. B. Pandemien schneller bereitzustellen. Hierfür soll die Befragung künftig vierteljährlich mit jeweils einem Teil der Haushalte erfolgen. Damit die Teilstichproben dennoch repräsentativ sind, soll die Anzahl der befragten Haushalte vergrößert werden. Dies ermöglicht wiederum eine differenziertere Analyse der Auswirkungen auf einzelne Bevölkerungsgruppen und Regionen. „Durch die Erweiterung werden noch aktuellere hochwertige Daten zur Verfügung stehen, auf die insbesondere die Politik, aber auch Wissenschaft, Wirtschaft und andere gesellschaftliche Bereiche zwingend angewiesen sind“, betont der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick. Der Wissenschaftsrat hat den Erweiterungsantrag insgesamt als exzellent bewertet.

Eine sehr gute Gesamtbewertung erhielt der Erweiterungsantrag des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München (Leibniz-LSB@TUM). Das Institut erforscht ‚Flavor‘, also die Kombination aus Geschmack, Aroma und Textur von Lebensmitteln. Dabei untersucht es, wie Aroma- und Geschmackssignaturen in Lebensmitteln entstehen, wie sie von Menschen wahrgenommen werden und welche Effekte sie im Körper haben. Diese Forschung kann gesündere Ernährung fördern, indem sie beispielsweise zur Reduktion von Bittergeschmack oder Fehlaromen in alternativen Proteinquellen und damit zu deren größerer Akzeptanz durch Verbraucherinnen und Verbraucher beiträgt. „Um dies zu erreichen, sind die enge Zusammenarbeit des Leibniz-LSB@TUM mit der Lebensmittelwirtschaft und die erfolgreiche Integration bioinformatischer Methoden in die Forschung von großer Bedeutung“, so Wolfgang Wick. „Beides ist dem Institut in den letzten Jahren eindrucksvoll gelungen. Wissenschaftlich bewegt es sich auf einem sehr guten, vielfach auch hervorragenden Niveau.“ Mit der beantragten Erweiterung, die der Wissenschaftsrat sehr positiv bewertet hat, kann das Institut seine 2018 begonnene Neuausrichtung von der traditionellen Lebensmittelchemie zu einer interdisziplinären Lebensmittel-Systembiologie fortsetzen und die Weiterentwicklung dieses noch jungen Forschungsfeldes vorantreiben.

Das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e. V. (ATB) in Potsdam zielt mit seinem Erweiterungsantrag darauf, gesunde Lebensbedingungen maßgeblich zu fördern. Erreicht werden soll dies durch die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger bioökonomischer Kreislaufsysteme. Dabei bezieht das ATB den gesamten Prozess innerhalb einer (regionalen) Bioökonomie in seine Forschung ein, vom Labormaßstab über Pilotanlagen bis hin zum realen Betrieb sowie der Verarbeitung, Nutzung und Wiederverwertung von Produkten. Mit seinem Erweiterungsantrag nimmt das ATB hochaktuelle Themen wie die Förderung gesunder Böden und Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft in den Blick. „Zum Zeitpunkt der Begutachtung war der Antrag konzeptionell allerdings noch nicht hinreichend ausgereift, um eine erfolgreiche Umsetzung erwarten zu lassen“, erläutert Wick. Der Wissenschaftsrat empfiehlt dem ATB, klare Schwerpunkte zu setzen und das Konzept in methodischer Hinsicht und mit Blick auf die wissenschaftlichen Fragestellungen, für deren Bearbeitung die Erweiterung einen wesentlichen Mehrwert leisten soll, weiter zu präzisieren. Dabei sollten künftig sozialwissenschaftliche, ökonomische und transformative Kompetenzen mehr Gewicht erhalten. Angesichts der konzeptionellen Schwächen hat der Wissenschaftsrat den Erweiterungsantrag insgesamt als nicht hinreichend bewertet.

Die GWK hatte den Wissenschaftsrat im Februar 2025 gebeten, zu den angestrebten strategischen Erweiterungen des SOEP, des Leibniz-LSB@TUM und des ATB Stellung zu nehmen. Geprüft werden sollten in den drei Fällen jeweils die wissenschaftliche Qualität der Erweiterungsmaßnahme, ihre überregionale Bedeutung und ihre strukturelle Relevanz für das deutsche Wissenschaftssystem. Hierfür und für die gleichfalls erbetene Gesamtbewertung stand dem Wissenschaftsrat eine Skala von „exzellent“ über „sehr gut“ und „gut“ bis „nicht hinreichend“ zur Verfügung.