Forschungsinfrastrukturen
Forschungsinfrastrukturen (FIS) haben seit Anfang der 2000er Jahre eine wachsende Bedeutung im Wissenschaftssystem erlangt. Dabei handelt es sich um umfangreiche und langlebige Anlagen (wie z. B. Instrumente, Labore und [Groß-]Geräte) sowie forschungsbasierte Dienstleistungen und Ressourcen (wie z. B. Dateninfrastrukturen, Sammlungen und Archive) aus allen Wissenschaftsgebieten.
Aktuelles Verfahren
Im Frühjahr 2024 bat das damalige Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), jetzt Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), den Wissenschaftsrat darum, eine wissenschaftsgeleitete Bewertung zur Priorisierung umfangreicher FIS durchzuführen.
Quelle: WR
FIS-Vorhaben durchliefen hierbei auf Basis von Kurzkonzepten drei parallele Bewertungsstränge: eine wissenschaftsgeleitete Bewertung, eine Bewertung des Innovations- und Transferpotenzials, sowie eine Bewertung der Kosten und Risiken. Ein mandatierter Ausschuss des Wissenschaftsrats führte die wissenschaftsgeleitete Bewertung der Vorhaben durch. Die Ergebnisse der drei Bewertungsstränge wurden vom BMFTR zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt und die aussichtsreichsten FIS-Vorhaben in Form einer Shortlist bekanntgegeben.
Evaluative Begleitung der Shortlist-Vorhaben
Auf Bitten des BMFTR begleitet der mandatierte Ausschuss des Wissenschaftsrats die auf die Shortlist aufgenommenen Vorhaben weiterhin evaluativ. Ziel dieser Begleitung ist es, Empfehlungen zur weiteren Umsetzung der Vorhaben an die Trägereinrichtungen und das BMFTR zu formulieren. Im Mittelpunkt der Evaluation stehen die Planungen zum Aufbau und Betrieb der FIS, insbesondere hinsichtlich ihres wissenschaftlichen Potenzials, der Kosten- und Risikoplanung sowie des Innovations- und Transferpotenzials.
Zudem identifiziert der Ausschuss wissenschaftliche, technologische und organisatorische Meilensteine sowie mögliche kritische Pfade und Risiken für die Umsetzung der Vorhaben.
Die hierfür eigens eingesetzten Arbeitsgruppen erstellen Bewertungsberichte mit Empfehlungen zur Umsetzung der Vorhaben. Auf deren Grundlage verabschiedet der Ausschuss schließlich wissenschaftspolitische Stellungnahmen an die Trägereinrichtungen und das BMFTR. Die erarbeiteten Bewertungsberichte und Stellungnahmen werden jeweils nach Abschluss der evaluativen Begleitung veröffentlicht.
Veröffentlichte Stellungnahmen
Bislang wurden Stellungnahmen zu folgenden Vorhaben veröffentlicht:
Dresden Advanced Light Infrastructure (DALI)
High Brilliance Neutron Source – Phase I (HBS-I)
Large Enriched Germanium Experiment for Neutrinoless Double Beta Decay (LEGEND-1000)
The ultimate 4D X-ray Microscope (PETRA IV)
Research Infrastructure for Data from Large Online Platforms (RIDLOP)
Weiterführung des Verfahrens
Auf Bitten des BMFTR hat der Wissenschaftsrat die Vorbereitung eines potenziell nächsten Priorisierungsverfahrens für umfangreiche FIS, angelehnt an das 2024 initiierte Verfahren, in sein Arbeitsprogramm 2026/2027 aufgenommen. Im Fall der Durchführung übernimmt der Wissenschaftsrat erneut die wissenschaftsgeleitete Bewertung der eingereichten Vorhaben sowie die anschließende evaluative Begleitung der Shortlist-Vorhaben.
Zudem ist der Wissenschaftsrat gebeten, bei Bedarf die wissenschaftspolitische Einschätzung der Vorhaben aus dem Priorisierungsverfahren 2024–2026 im Laufe ihrer Aufbauphase zu aktualisieren.
Frühere Bewertungsverfahren von FIS
2001 – Der Wissenschaftsrat wurde erstmalig vom damaligen BMBF um eine vergleichende Bewertung von Großgeräten für die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung gebeten.
2011 – Der Wissenschaftsrat wurde vom damaligen BMBF um eine wissenschaftliche Bewertung großer FIS gebeten; für die selbstständige Durchführung wurde ein Ausschuss eingesetzt und mandatiert.
2015 – Auf Bitten des damaligen BMBF veranlasste der Wissenschaftsrat eine weitere wissenschaftliche Bewertung großer FIS; für die selbstständige Durchführung wurde erneut ein Ausschuss eingesetzt und mandatiert.
Weitere Informationen zum Verfahren finden sich unter „Organisation“ sowie auf der Seite des BMFTR unter folgendem Link.
Zu Dokumenten der Forschungsinfrastruktur-Verfahren